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Guadalajara

Der Zug schaukelt endlos über die Sierra Madre. Wir schauen hinaus. Agaven und zweiarme Kakteen torkeln vorüber. Die Diesel brüllen. Wir taumeln zwischen Wachen und Halbschlaf. Manchmal bleibt der Zug stehen. Links steigt der Fels in den Himmel, rechts stürzt er hinab in die Hölle. Wir hören, dass Steine poltern. Wir sehen Banditen, die nichts sind als Wahnbilder eines von der Reise überanstrengten Hirns. Dann ein Signalhorn von hinten. Eines von vorn. Ein Ruck geht durch den Zug. Ein Kreischen. Bewegung. Bergauf, langsam bergauf. Wie lange mag das noch gehen? Und dann ist die Stadt da, die für heute, morgen und übermorgen Ruhe bedeutet. Die Ruhe des Reisenden. Wir laufen die Hauptstraße hinab, wir mieten eine billige Unterkunft, wir duschen mit eiskaltem Wasser und gehen zur Plaza. Ein See ist dort, eine Art Park, eine kleine überdachte Bühne. Bunte Lichter in den Bäumen. Viel Volk auf den Beinen, dass uns anstarrt. Bronzefarbenes Volk. Und wir, schneeweiße Gringos, die niemand liebt. Aber die Neugier ist doch größer als alle Voreingenommenheit. Die Mädchen (vor allem die) und die kleinen Jungen hängen sich an uns. Sie rufen uns Namen nach. Sie giggeln. Sie arrangieren es so, dass sie uns berühren können. Der eine stößt den anderen, so etwa. Wir lachen. Wir haben uns längst daran gewöhnt, dass wir Gringos sind. Wir setzen uns auf eine Bank unter Platanen am See. Schuhputzer kommen. Da wir Sandalen tragen, gibt es keine Arbeit für sie. Oder doch? Ja. John trägt einen Lederhut. Den wollen sie putzen. John willigt ein. Und während der Schuhputzer, der jetzt Hutputzer ist, sich an die Arbeit macht, wird die Traube der Menschen, die sich um unsere Bank versammelt, immer größer.

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