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Sa 1.08.26 8:45 angenehme 16 Grad
man hat sich
für den plötzlichen herztod entschieden
eine saubere sache
man kriegt ihn nicht mit
man kann ihn bestellen
er ist aber nicht ganz billig
garantie gibt es nicht
ein umtausch ist nicht möglich
mind my words
So 2.08.26 8:09 14 Grad
Gestern Mittag schellte das Telefon. Eine Frauenstimme hispanischer Herkunft hatte Wichtiges, aber Einzelheiten waren kaum auszumachen. Notarzt? Intensivstation? Man bat, eine Mail zu schicken. Sehr geehrte Angehörige, aufgrund des aktuellen Atemwegszustandes Ihres Angehörigen haben wir entschieden, ihn zur weiteren Diagnostik und spezialisierten Behandlung in ein Akutkrankenhaus zu verlegen. Die Verlegung erfolgte über den Notarzt. Sehr wahrscheinlich wurde Ihre Angehöriger in das Ev. Bathildiskrankenhaus in Bad Pyrmont gebracht. Jetzt wäre Gelegenheit, wieder mit dem Rauchen anzufangen, dachte man während der folgenden Stunden, die man brauchte, um einen behandelnden Arzt ans Telefon zu bekommen. Auch der kein Muttersprachller. Die Frau hatte schon davon gesprochen. Ärzte, Pflegepersonal, kaum Muttersprachler. Am späten Nachmittag endlich der erlösende Kontakt. Seit drei Wochen ist die Frau zur Kur in der Weserlandklinik, um ihre COPD behandeln zu lassen. Aber die Hitze hatte ihr zugesetzt. Bewegung an frischer Luft war nicht möglich, und Fortschritte waren kaum spürbar. Und jetzt das. Man hat Angst. Man weiß, was passieren kann. Dienstag wäre sie zurückgekommen. Man hatte schon alles auf Hochglanz gebracht und sich das ein oder andere überlegt. Nun wird man noch ein paar Tage warten müssen. Rauchen wird man dennoch nicht. Man hat gerade einen kleinen Walspaziergang gemacht, mit der Tastatur des neuen Rechners ist man immer noch nicht so recht vertraut, man wird Kaffee trinken und frühstücken, und dann sehen, was der Tag sonst noch bringt.
Di 4.08.26 15:35 34 Grad bewölkt schwül
Alles soll aufhören. DJT soll tot umfallen, Netanjahu soll tot umfallen, Putin auch. Alle Drecksäcke sollen tot umfallen- Die AfD soll an der Krätze krepieren. Weidel an einer Geschlechtskrankheit. Höcke soll beim Geschlechtsverkehr mit Männern erwischt werden. Hätten wir sonst wen? Ja. Das Wetter soll auch aufhören. Man sitzt und wartet Gestern ist man durch das wunderbare Weserbergland gefahren. Dass es so schön ist, hatte man höchstens geahnt. In Bad Pyrmont, genauer gesagt in der Weserlandklinik, wo man das Zimmer der Frau ausräumen musste, hatte einen das arme Dier angesprungen, denn überall waren Menschen mit Rollatoren und Sauerstoffgeräten die sich zu Tode langweilten. Dann hatte man die Frau besucht, die im Krankenhaus darauf wartete, dass heute das erlösende Urteil gesprochen würde. Und dann war man wieder zurückgefahren, ohne die Frau, in einem komfortablen kleinen Auto, allerdings ohne Klimaanlage. Als man zuhaus war, war man so gut wie tot. Und heute musste man wieder warten, denn eh so ein Ärzteteam einer 73jährigen an COPD erkrankten Frau die Entlassungspapiere überreicht, dauert es. Jetzt aber, hat man gehört, stecke sie im Stau auf der A1, und erreiche ihr Ziel wahrscheinlich gegen 16:30. Dann soll alles wieder anfangen. Das Leben zu zweit. Das kleine Glück, das dann und wann um die Ecke kommt. Das zermürbende Leben zu zweit und das schöne. Das alles soll nach drei zermürbenden Wochen voller Unsicherheiten und Ängste wieder beginnen. Man hat ein Essen vorbereitet. Man hat hier und da Blumen aufgestellt. Man holt jetzt noch Sekt.
Mi 5.08.26 11.34 schwül
Um halb sieben, man war auf dem Weg in den Wald, wurde man von der Katze begrüßt. Man grüßte zurück, öffnete die Balkontür und liess die Dame herein. Dann ging man los. Auf dem Berg steht eine rundum vermüllte schöne graue Stahlbank, an der hat man Übungen gemacht. Sich gestreckt zum Beispiel, was sofortigen Erfolg rechts im Hüftgelenk zeigte. Dann hat man halbgare Liegestütze exerziert, schräg vorgebeugt, die Hand an der Rücklehne, und dann pumpen. 5 Mal. Man hat sie doch alle. Man wird vielleicht erhöhen, aber man hat ja gerade erst angefangen, diese halbstündigen, parallel zur Autobahn führenden Wald und Bergspaziergang als Morgenritual einzubauen in die Erzählung des Lebens, so dass man dann später sagen könnte, der Dichter M., dem es gelang, das Leben seiner Epoche in einem einen starken Sog erzeugeugenden Ton zu erzählen, ist hier jeden Tag spazieren gegangen. Einmal hat er dort Farn ausgegraben. Einmal. er hatte hat er gerade zu pinkeln begonnen, tauchte in 50 Meter Entferung eine Frau mit Hund auf. Zum Glück war man noch kein urologisches Problem, aber das Begegnen danach war nicht ganz stressfrei. Allerdings kennt man den deeskalierenden Gruß. Man sagt Guten Morgen. Wundervolle Luft oder? Die Frau nickt beruhigt, dieser ins Grüne pissende alte Mann ist also nicht toxisch, der hat Prostata. Guten Morgen, sagt sie, ihr Hund wedelt einen an, man entfernt sich in entgegengesetzter Richtung. Das alles wird man sagen können über den Dichter. Auch, dass er auf der Stelle sagen könnte, was heute vor dreizehn Jahren war. Was heute in 13 Jahren ist, weiß niemand. Man wird sagen, dass der Dichter Phasen hat, in denen er häufig Gedichte schreibt, und andere, in denen Gedichter undenkbar schienen.
wohl eher ein traum,
den ich mein leben nenne,
begonnen, seither: mittendrinn,
ergebnislos, und was ich kenne,
macht traumlos keinen sinn.wohl eher vergnügen,
das ich mir vergönnne,
ein tag am fluss, das haus mit rosen,
ich zwings, es war in övelgönne,
der fluss: die elbe, ich trug blaue unterhosen.wohl viel erlebt
in diesen träumen
ich bitte, weckt mich bloß nicht auf,
viel lieber sitz´ich unter bäumen,
und schau durchs blätterdach hinauf.wohl immer noch,
da staunt der träumer
übt täglich, hinzunehmen, wie es ist,
und wenn's nicht klappt, verspricht er: räum er
sein zimmer um, die beste list.
Do 6.08.26 12:10 23 Grad
Gegen 21:15 wechselte ich in Höhe der Lambertikirche vom Kopfsteinpflaster des Prinzipalmarktes auf den Bürgersteig, weil ich das Geholpere nicht mehr haben konnte, blieb an dem niedrigen Randstein hängen und stürzte halbschräg auf den Gehsteig. Landete mit rechtem Ellenbogen voran, dann rechtes Knie und zum Schluss noch mit rechter Schläfe. Sofort vier oder fünf Menschen bei mir, Holländer, wie sich herausstellte. Ich hatte Schürfwunden, fühlte mich aber ansonsten gut. Rappelte mich auf, bedankte mich für die Hilfe, fuhr zur Atelier Bar, wo Freunde Musik machten, wurde mit Pflastern versorgt, trank einen Caipirinha , den Besten, den man in Münster bekommen kann, und fuhr heim. Die Gangschaltung hatte was abgekriegt. Mein Ellenbogen tat ein bisschen weh, und im Bett bemerkte ich, dass meine Rippen ein wenig gestaucht waren, aber alles in allem nichts Ernstes. Ich trug keinen Helm wegen der großen Hitze..
So 9.08.26 10:33 23 Grad
Kaum ein Lüftchen.
Zu tun ist nichts
morgen auch nicht
im Grunde könnt man sich erhängen
17:38
sie haben
meine lieblingsfarbe geklaut
sind sie blau
sie lallen wehleidig
& kotzen heimat
(nichts gegen heimat)
sie sehen im vergangenen
große zukunft
viele atmen noch ddr
und großdeutsches reich
sind weiß & hetero
prächtige exemplare
fast arisch
wenn sie nicht ständig döner fräßen
und frau weidels frau ist kein
migrant
21:32
sie sind sie blau
sie lallen
& kotzen heimat
(nichts gegen heimat)
sie sehen im vergangenen
große zukunft
sie atmen ddr
und großdeutsches reich
sie sind weiß & hetero
prächtige exemplare
die pizza und döner essen
fast arisch
Mo 10.08.26 13:02 Sommer 27 Grad
Man hat Pläne. Man weiß, dass es noch eine Weile dauern wird, eh man sie angeht, aber man wird sie angehen. Man wird die Zeit wieder auf andere Art nutzen, als in verdunkelten Räumen zu sitzen, zu liegen, zu lesen, Klavier und Schlagzeug zu üben, zu schlummern und darauf zu warten, dass endlich die Sonne sinkt. Man hat kürzlich erfahren, dass andere einen für einen Dichter halten, man selbst hatte das schon immer vermutet, aber da es nun - wenn auch in kleinen, literaturaffinen Zirkeln - amtlich ist, hat man eine Verpflichtung. Man wird schreiben. Man wird "Frauen auf Zebrastreifen" vom ersten bis zum letzten Wort überarbeiten. Man wird daraus einen hieb- und stichfesten Roman bauen. Darüber wird es Winter werden. Gestern saß eine Wespe auf unserem linken Oberschenkel und versuchte, ein kleines Stück herauszuschneiden, wenig später versuchte sie auf dem rechten Unterarm dasselbe. Man verbat ihr das, und sie flog davon. Man wird selten gestochen, eigentlich so gut wie nie, aber dass eine Wespe versucht, einen anzuknabbern, hatte man noch nie erlebt. Es zwickte, als sie mit ihren Mundwerkzeugen zugange war. Vielleicht fährt man gleich in den Wald, um Holz für eine Wegeinfassung zu sägen. Man geht da jeden Morgen spazieren und hat etwas gesehen. Wahrscheinlicher aber ist, dass man sitzt, liegt, liest, Klavier und Schlagzeug übt, schlummert und darauf wartet, dass die Sonne sinkt, um schlafen gehen zu können. Denn was gib es Schöneres als Schlafen. PS. Die Rippen sind geprellt und schmerzen, aber nicht schlimm.
Di 11.08.26 9:21 Sommer 17 Grad
Auf die Frage, wie viele seiner Romane verkauft seien, sagte der Verleger 125. Das deprimierte den Dichter. Er erwachte. Es ging gegen drei. Er atmete tief, drehte sich auf die nicht schmerzende Seite seines Brustkorbes und schlief wieder ein. Um sechs, die Sonne hatte die Birke noch nicht in dieses irisierend verführerische Licht getaucht, schlüpfte er aus dem Bett. Es war frisch. Gestern hatte Chatgtp ihm Körperübungen vorgeschlagen. Einfache Übungen für Kraft, Gleichgewicht, Beweglichkeit und Ausdauer. Aufstehen. Hinsetzen. Auf Zehenspitzen stehen. Strecken. Bein nach hinten. Auf einem Bein stehen. Gehen. Jeden Tag 20 bis 30 Minuten gehen. Lieber regelmäßig als gelegentlich und sehr lange. Das wollte er heute angehen. Er verließ das Haus. An der Ecke begann er mit den Armen zu kreisen. Den Aufstieg in den Wald nahm er in leichtem Trab, kaum fünfzig Meter bis zum stinkenden Nieswurz, der den Weg zu beiden Seiten begrenzt. Er hörte den Schrei eines überfliegenden Bussards. Er spreizte die Beine und beugte den Rumpf, um die Füße links und rechts mit ausgestreckten Händen zu erreichen. Auf der Bank, aus deren Umgebung er vor ein paar Tagen Müll entsorgt hatte, machte er Liegestütze. Stand auf und setzte sich. Zehn bis fünfzehn Mal, hatte Chatgtp vorgeschlagen. Alles zehn bis fünfzehn Mal. Die Luft war frisch. Ihm wurde klar, dass er eine neue Gewohnheit entwickelte. Das Rauchen hatte er aufgegeben. Ihm sollte es recht sein. Nach einer halben Stunde legte er sich wieder ins Bett. Gegen acht kochte er für die Frau und für sich Kaffee. Gegen neun machte die Frau Frühstück. Sie aßen es auf dem Balkon. Sie leben im Paradies. Sie müssen nur achtgeben, sich nicht zu oft zu streiten.