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Do 2.04.26 14:42 frisch und feucht
Der Bus war bis einen Platz besetzt, den bekam die Frau. Sie setzte sich neben eine junge Frau. Ihnen gegenüber zwei Afrikaner in den späten zwanzigern. Der Mann musste stehen, dann bot ihm die junge Frau ihren Platz an. Die beiden Afrikaner, einer etwas mollig mit kahlem Schädel und femininen Gesichtszügen, der andere groß, schlank mit Basecap, unterhielten sich angeregt. Darf ich fragen, was für eine Sprache Sie sprechen? sagte der Mann, als sein Blick auf den seines Gegenübers traf. Kirundi, sagte er. Und wo spricht man das? In Burundi. Die geographische Lage wurde abgeklärt, der Mann hatte Burundi an der Westafrikanischen Küste verortet, es liegt aber nördlich vom Kongo. Deutsch sei so schwer, sagte der Schlanke. Akkusativ, Dativ. Oh, so schwer, sagte der Mollige. Jede Sprache ist schwer, wenn man sie nicht von Kinderbeinen an spicht, sagte der Mann. Es gäbe viele Sprachen in Burundi, sagte der Schlanke. Afrikanische Sprachen, außerdem Englisch und Französisch. Welche Sprachen er denn spräche? Deutsch, Englisch, Holländisch. Im Augenblick lerne er Französisch. Das falle ihm ebenfall schwer. Der Mann und die Afrikaner wechselten ein paar Sätze auf Französisch. Die Afrikaner lobten ihn. Dann wollten sie etwas wissen. Ja? sagte der Mann. Sie zögerten ein wenig, dann zeigten sie seine gehäkelte Mütze. Ob er Muslim sein? Das hatte man ihn in den letzten Jahren schon zweimal gefragt. Beide Male hatte er seine Mütze vom Kopf gezogen, damit sie sähen, dass er eine Glatze hat, und die Mütze dazu da sei, ihn zu wärmen. Die beiden Afrikaner lachten lauthals, der Mann und die Frau lachten, ein Mann aus der . niemanden an und wiederholte jammernd bitta bitta, keine kaufen, bitta. Was macht man mit so einem. Die wenigen Gäste, die draußen saßen, ignorierten ihn. bitta bitta keine kaufen. Er schluchzte. Sollte man ihm glauben? Oder war er nur ein hervorragender Darsteller, der sich nicht scheute, sich zu erniedrigen. Einer, der draußen schlief? So sah er nicht aus. Ich ließ ihn vorbeigehen. Es war schwer zu ertragen. Sein Betteln war Nötigung. Seine Not schwer einzuschätzen. Niemand gab ihm etwas. Als er schon ein paar Meter weg war, ging ich hinterher und gab ihm fünf Euro. Was er damit macht, war mir egal.
Fr 3.04.26 11:57 bewölktSie hatten Jim Jarmusch neuen Film Father, Mother, Sister, Brother gesehen. Ein ruhiger Episodenfilm, der zeigt, dass Familienbeziehungen kompliziert sind, dass es Unausgesprochenes gibt, dass in jeder Episode jemand eine Rolex trägt und junge Männer Skateboard fahren. Mehr nicht. Und nun saßen sie vorm Kino, waren glücklich, mal wieder in der Stadt unter Menschen zu sein, tranken noch ein Glas Wein und rauchten einen Spliff. Und dann tauchte dieser Mann auf. Mittelgroß, aus Nahost, die Füße einwärts gestellt, der Gang zögernd, den Kopf vorgebeugt, im Arm eine große Tüte. Er machte kleine Schritte, schaute niemanden an und wiederholte jammernd bitta bitta, keine kaufen, bitta. Was macht man mit so einem. Die wenigen Gäste, die draußen saßen, ignorierten ihn. bitta bitta keine kaufen. Er schluchzte. Sollte man ihm glauben? Oder war er nur ein hervorragender Darsteller, der sich nicht scheute, sich zu erniedrigen. Einer, der draußen schlief? So sah er nicht aus. Der Mann ließ ihn vorbeigehen. Es war schwer zu ertragen. Sein Betteln war Nötigung. Seine Not schwer einzuschätzen. Niemand gab ihm etwas. Als er schon ein paar Meter weg war, ging der Mann hinterher und gab ihm fünf Euro.
Sa 4.04.26 18:33 wechselnd bewölkt
Abdullah ist vor zwei Jahren aus Beirut nach Deutschland gekommen. Er ist mittelgroß, breitschultrig, er hat einen Dreitagebart und nickt freundlich, als der Mann ihn fragt, ob er sich an seinen Tisch setzen darf. Sie beginnen auf der Stelle, über alles mögliche zu sprechen. Sein Deutsch ist dürftig, er will lieber Englisch reden, aber auch das kann er nur bruchstückhaft. Sie radebrechen. Er hat eine Frau, einen Sohn, Cousins, Onkel und Tanten in Michigan, in der Schweiz, in Holland und England, er dreht sich aus Malboro Tabak kleine Zigaretten, steht auf Sauberkeit und holt zwei Packungen feuchter Hygientücher, eine kleine Flasche Desinfektionsspray, ein Mundspray und Pfefferminzbonbons für frischen Atem aus seinem Rucksack. Er mag weder Syrer, Afrikaner, Japaner und schon gar nicht Chinesen, aber er liebt amerikanische Aktionfilme. Al Paccino, Jan Claude van Dam, Bruce Lee und Denzil Washington sind seine Helden. Sie sitzen an einem Tisch, schauen auf den Markt, und Abdullah sagt, dass er das genießt. Seine Frau könne sehr gut kochen, sagt er und bittet um die Telefonnummer des Mannes, damit er ihn einmal zum Essen einladen kann. Er zeigt ihm einen Film, in dem eine Anaconda einen Menschen verschlingt, wie schrecklich, sagt er, und der Mann sagt, Abdullah, das ist ein KI Fake, oder würdest filmen, wie jemand von einer Anaconda verschlungen wird? Das stimmt ihn nachdenklich. Er sitzt hier, weil er auf seine Frau wartet. Seine Frau, sagt er, wechsle ihre Stimmung manchmal abrupt. die beiden einigen sich darauf, dass es zwischen Männern und Frauen immer Probleme gibt. Der Mann verabschiedet sich, geht über die Straße, findet sein Rad erst nach dem dritten Blick, schließt es auf und fährt nach Hause. Dem Horstmarer Landweg folgt ein Bach, Löwenzahn blüht auf der Böschung und Wiesenschaumkraut, die Hainbuchen sind von betörendem Grün. und der Bach mäandert auf entzückende Art. Das Wasser fließt schnell, es will ans Meer.
So 5.04.26 12:43 bewölkt, windig
nicht jeden tag
sind engel zu erwarten
oft ist der tag nur leer
man bleibt entzweit
nichts hilft in diesem wirren garten
und falls man freunde hat
sind sie sehr weit
sie haben ihre eigenen nöte
sie haben frau und hund
das haus den hof den kopf verloren
sie träumen von der morgenröte
und nichts läuft rund
der schöne klang
hält sich verborgen
die dissonanzen stehn bereit
sie wollen gehen
aber nicht zu weit
sie sind sie wissen es
verloren
plötzlich ein sanftes brummen auf er fensterbank
ein engel kommt als hummel
der nächste steht als katze vor der tür
der schöne klang verliert die scheu
kaffee kommt auf den tisch
und gott sei dank taucht eine auf
die findet
dass man selbst ein engel sei
Mo 6.04.26 16:18 sonnig
ich will tanzen
ich will kotzen
will der weltmacht
in die fresse rotzen
will dem kinderf...er
das gemächt
abreißen und ihm
ins ovale office sch...en
will dass man nach
peterburger hängung
ihn ans kreuz schlägt
und zusehen
wenn die geier ihn aufreißen
ungezähmte schönheit
ihre arbeit effizient
wie gefällt es ihnen exzellenz
hatten sie sich anders vorgestellt
aber den, der recht mit füßen tritt
straft die wahrheit opulent
Di 7.04.26 20:51 sonniger tag
die welt ist normal
unnormal ist man selbst
weil man sich nach frieden sehnt
nach gerechtigkeit
nach liebe unter den menschen
normal ist alles gut
alles gut sagt man
wenn man normal ist
unnormal ist
wer das nicht glaubt l
alles gut sagt man
und lügt
normal sagt man
alles normal
das ganze leben
mit seinem schmutz
seiner niedertracht
und seiner größe
Do 9.04.26 10:57 wechselnd bewölkt
Romananfänge
Einen Tag vor seinem Hundertsten sitzt ein Mann am Küchenfenster und denkt an einen Samstag auf der Chirurgie. Er war damals Zivildienstleistender, und In der Aufnahme lag eine Leiche, die er in die Leichenhalle bringen musste. Flott, ein Unfall ist unterwegs. Sie war weiblich, mittelgroß, um die siebzig und sehr dick. Ihre schweren Brüste flappten links und rechts weg. Es galt, sie vom Tisch in eine Rollwanne zu bugsieren. Die Rollwanne war deutlich niedriger und ihre Rollen ließen sich nicht arretieren. Hatte er sie mit dem Oberkörper in der Wanne, rollte sie weg und die Tote hing mit Unterkörper und Oberschenkeln in der Luft. Der Mann musste lachen, wuchtete sie zurück und versuchte es andersrum. Er redete mit ihr. Schließlich hatte er sie da, wo sie hingehörte. Er war er schweißgebadet. Der Tag vor seinem Hundertsten, ist der Tag, an dem 1962 Love me do von den Beatles erschien. Der Mann geht ins Wohnzimmer und schaut sich Notting Hill an. Er hat den Film unzählige Male gesehen und wartet darauf, dass die Ladenglocke schellt. Als Anna Croft vor William Thacker steht und sagt, sie sei doch auch nur ein Mädchen, dass vor einem Junge stehe und darum bitte, dass er es liebt, beginnt er zu weinen. Er seufzt, sein Kopf sinkt herab, leise und unspektakulär wie ein Nebel endet die Welt, er stirbt, um einen Tag betrogen. Jetzt fehlt ihm nichts mehr.
18:28
ein wort
in wunderschöner schrift
das beiläufig gesprochen
im raum schwingt
voller zweifel ist
von empfindlicher schönheit
am himmel strahlt
und mit den sternen leuchtet
19:19
ich suche ein wort
das beiläufig gesprochen
im raum schwingt
voller zuversicht
und empfindlicher schönheit
das mit den sternen leuchtet
21:21
ich suche ein wort
von empfindlicher schönheit
das voller zuversicht
im raum schwingt
und mit den sternen leuchtet
Fr 10.04.26 11:51 bewölkt
Habe die Tango-Depression mit Salsa bekämpft, und siehe, es hat funktioniert.
12:55
gelegentlich
steht eile an
nach einer weile weiß man dann
dass eile gar nichts kann
tritt ruhe später in den saal
wird klar dass man in eile oft fatalenl
unsinn redete
dann schämt man sich
man hört und wünscht
man hätte nicht
nur ist dann alles längst gesagt
und die verhandlung wird vertagt
bis wieder eile ansteht
und das spiel von vorn beginnt
und einem aufgeht
dass man offensichtlich spinnt
13:49
geht gleißend eine sonne unter
weiß man das trizillionen andere
ganz ähnlich sich verhalten
geht gleißend eine sonne unter
weiß man man hat es wieder mal geschafft
man glaubt das leben
könne man gestalten
doch ob die sonne morgen aufgeht
weiß man nicht
14:27
gerontologen
haben längst vergessen
dass sie sich einst erinnerten
gerontologen können nicht ermessen
wie groß die eselsbrücken waren
die sie zimmerten
gerontologen sind arm dran
sie altern selbst und wissen irgendwann
geht's auch bei ihnen los
ihr kloß im hals schwillt
und sie kriegen's mit der angst
ein lied legt sich auf ihre zungen
sie sind gewillt zu glauben
dass es ihres ist
sie haben`s lange nicht gesungen
und sie erinnern's nicht
sie schlagen sich mit hämmern von den kopf
die nase blutet und es tropft
der rote sud und mit ihm
fließt das leben weg
sie denken noch
es hatte keinen zweck
dass du es zwangst
So 12.04.26 20:41 wechselnd bewölkt
geradeaus
geht es nach links
gleich rechts tanzt
dann ein kreisverkehr
der wirbelt dich
dahinter öffnet sich die welt
und dann siehst du das meer
es ist so ungeheuer nah und fern
dort sitzt du atmest frei
und kannst dich freuen
der wind bläst deine alten lappen fort
bis nichts bleibt zu bereuen
dem himmel streicht dir deine falten glatt
das wasser rauscht dir eine melodie
du sitzt da und du magst dich sehr
du schwappst mit wellen hin und her
also fahr los was wartest du
du weißt ja jetzt wo lang
verlass den alltag der dich quält
und sei nicht bang
Mo 13.04.2622:25
erbärmlich gelangweilt
zwischendurch aldi
olivenölflaute
frikadellentag beim metzger
ein buch nach holland schicken
kostet 11 euro
kein katzenbesuch
stimmung
die herren in den außenkreis
marschfox ja ja
Di 14.04.26 8:58 sonnig
im flieder hängt ein regentropfen
er blinkt
ich weiß nicht
was er sagen will
ich ahne nur
und das ist dunkel
11:04
Eben war die Gärtner da, haben den Baumstumpf weggefräst, und das von Efeu durchwurzelte Beet durchgefräst, so das wir mit der Arbeit beginnen können. Die Frau hat in den letzten vierzehn Tagen von nichts anderem geredet, sie hat Pläne, ich mache die grobe Arbeit. Es wird ein Paradies, da bin ich sicher. Meine Wortfurcht hält an. Meine Einsamkeit ebenso. Nachher gehe ich zum Ehrenamt.
Do 16.04.26 10:18
Gestern mit dem Roller durchs Frühlingsland nach Enschede gefahren. Heute Gartenarbeit.
18:14Letztens hatte die Grabgabel beim Aushebeln von zwei Baumstümpfen ebensoviele Zinken verloren, heute habe ich eine neue gekauft, um den schweren Boden aufzulockern und nicht an meine Sprachlosigkeit erinnert zu werden. Hundemüde. Lustlos.
Fr 17.04.26 16:49 mild, teils sonnig
In zweieinhalb Stunden lese ich zum ersten Mal Das grüne Kleid.
Sa 18.04.26 12:06 milchig, mild
Gerade noch Glück gehabt. Zwei Minuten später, und die Frau hätte ihn erwischt. Du respektierst mich nicht, hätte sie gesagt, wäre rot angelaufen, und dann hätte alles so oder so ausgehen können. Er hätte die Fassung verlieren und laut werden können, was, hatte er lernen müssen, psychische Gewalt ist, wo er immer gedacht hatte, Empathie, weil, würde er laut werden bei jemandem, die ihm nichts bedeutet? Alles nur, weil er es am liebsten im Stehen tut, und weil, wenn sie ihn erwischt, die Stille folgt. Die Göttin der Zerstörung. Stille, das Schweigen, das Menschen deepfreezt, die rennen und schaffen und keine Worte teilen, stattdessen Bier trinken und Joints rauchen, Medikamente von früh bis spät, auch junge schon, immer mehr junge, die Bilder schlucken, die ihnen den Magen umdrehen und Herzen in Infarkte jagt. Friede, der nirgends herrscht und Illusion ist, weil die Wirklichkeit Kampf ist, nichts weiter. Wenn er die Hose herunterlässt, seufzt und stöhnt er, aber das ist auch nicht gut, das Lautgeben aus vielerlei Gründen hatte sie in der Nacht, bevor sie Anselm Kiefer besuchten, es wird früher Morgen gewesen sein, als er von Herzen Geooohnt und Geaaaht hatte, ja, gejault wohl auch, gesagt, das sei unterträglich, und da hätte er sich am liebsten in ein Auto gesetzt und wäre davon gefahren, Richtung egal, Hauptsache fort, wo niemand Respekt fordert, weil Respekt nur der Grund ist, dass man das Leben nicht ohne Regeln erträgt. Der Maikäfer, den er auf den Tisch gelegt hatte, bewegte die Mundwerkzeuge, gab aber sonst keinerlei Lebenszeichen von sich.. War wohl gegen die Scheibe geflogen, Tack wird es gemacht haben, wie es Tack gemacht hätte, wenn er handgreiflich geworden wäre. Männer sind toxische Wesen, liest er jeden Tag irgendwo, aber Frauen, oh, Frauen sitzen auf hohen Rössern und haben Männer lange die Drecksarbeit tun lassen, was sie, wo sie endlich auch Drecksarbeit leisten dürfen, was sie emanzipiert nennen, noch unglücklicher macht als vorher. Oh Frühling, summt es, oh verzaubernde Birke, die seit zwei Wochen an ihrem Kleid arbeitet, das heute früh in der Sonne so strahlte, dass er an die Schlange in Trivandrum denken musste, ein goldenes Grün, ein grünes Gold, Smaragde im leichten Wind. Der Mai ist gekommen war mal. Oh Geschlechterkampf. Wie der ihm zum Hals heraushängt, dass er drüber stolpert, lang hinschlägt. Das hohe Ross wiehert. Er schlägt ihm den Kopf ab. Da staunt sie. Jetzt muss sie zu Fuß weiter wie alle, die aus ihren Gefühlen keine Mördergrube machen. You're cold as ice. Foreigner. Ihr habt es geschafft, unsere Schwänze sind ab. Romananfang, summt es. Von allem nichts sehen, nichts hören, nichts sagen, nur schreiben, wissen, dass die Flamme noch brennt, aber das Feuer von Kurzeck strahlt größer.
16:02
Die Aprillia wird aus der Garage geschoben, sie ist schwer, man muss aufpassen, dass sie einem nicht wegkippt. Der Helm wird aufgesetzt, Handschuhe werden übergestreift, obwohl milde 17. Man trägt die Leinenhose, das blaue Merino-Shirt, das dunkelblauere Jackett, die Boots und den marinefarbenen Mantel, Rollerkleidung geht anders. Die Zündung einschalten und starten. Einen Moment warten, bis der Motor die richtige Drehzahl erreicht. Losfahren. Zum Bahnhof Roxel. Die Havixbecker ist ab Rüschenfeld noch immer gesperrt, seit Wochen schon, Einbahnstraßenschild ohne Umfahrungsbeschilderung, was da der Ortsunkundige macht, bleibt schleierhaft. Man sollte mal irgendwo anrufen, selbst ignoriert man's und tuckert über den Bürgersteig, hat, wenn man an der Tanke links abbiegt, schon zwei Ordnungswidrigkeiten begangen, die, wäre man Chinese, wahrscheinlich ernste Folgen hätten, Abzug von Sozialpunkten, keine Fleißkärtchen, Zugangsbeschränkungen, und wenn es zuviel wird, Beugungshaft, oder? Man muss nochmal abbiegen, wo man auch nicht darf, biegt aber trotzdem, fährt durch die Dorffeldstraße, wo das alte Leben noch durch die Vorgärten schwappt, aber einem nichts mehr anhaben kann, man ist froh, dass man weg ist. Man vermisst nichts, nur Vladimir aus Haus Daniel, der immer so herzlich "mein besta Fröind" ruft, wenn man sich trifft. Die japanische Kirsche vorm verlassenen Haus blüht. Man ist zehn MInuten vor Abfahrt am Bahnhof, sitzt und beobachtet eine junge Frau in einem grünen Mantel, die ihrer Freundin (Mutter?) mit ausgestreckten Armen und fahrigen Handbewegungen etwas erklärt, eine Richtung, einen Ort, an dem etwas stattgefunden hat oder stattfinden wird, ein nicht zu entschlüsselnder Ort, wo sich vielleicht Schicksal entschied. Wortfetzen, taumelnd wie Zitronenfalter, bei Soundso, weißtdudoch. Der Zug fährt ein. Eine Zugführerin, Richtung Nordwest. Die Gäste ausnahmslos scrollend. Ein junger Mann mit schwerem Rucksack und SuperBiomarkt Tasche, Trisomie 21 mit ausgestreckten Beinen, auch nicht da, auch digital unterwegs, obwohl ihn fortwährend der Sack juckt oder wahlweise ein Popel, den er kurz anschaut und wegisst, während draußen eine Welt vorbeizieht, die so betörend schön ist, dass man Frauen verzichten kann, die recyclen sich nicht jedes Frühjahr, die werden nur älter wie man selbst. Man vergewissert sich, ah, da sind wir, keiner spricht, alles ringsum gehört einem allein. Gleich beginnt das Land sanft zu rollen, mittlere Windstärke, statt Schaumkronen Buchenwälder und Höfe, die Kühe sind auch schon draußen. Die hohen Kirchtürme tauchen auf, zwischen denen der Flugpionier Suwelack in den frühen Jahren hindurchflog. Gleich ums Eck wohnt eine erkaltete platonische Liebe. Kaum an Lutum vorbei, wo der Verleger in einem Gräftenhof aus dem späten siebzehnten Jahrhundert wohnt, kommt Coesfeld. Man weiß in etwa, wo die Lesung stattfindet, aber da kaum Menschen unterwegs sind, die man im Zweifel fragen könnte, öffnet man Google und sieht, dass man schon eine Straße zu weit gegangen ist. Da vorn ist Onkel Alex, sozialer Treffpunkt, Café, Veranstaltungsraum. Ein inklusives Konzept der Alexianer. Schon Menschen da, das freut einen, auch jemand, der sagt, ach, Sie sinds. Weiter hinten stehen Männer, einer davon ist der Verleger, der zweite ein Autor, und noch zwei Männer, die freundlich scheinen und gleich zu sprechen anfangen. Dass sie den Roman. Ein erstaunlicher Roman. Lesen Sie eine bestimmte Stelle? Er hat zehn Minuten Zeit, ein überwiegend weibliches Publikum dazu zu bringen, dass es seinen Roman kauft, er liest von Anfang an, ohne Erklärung. Gesellschaftsroman, sagen sie, als das literarische Trio nach der Lesung über den Roman spricht. Poesie. Fesselnd. Nicht weglegen können das Buch. Und wie oft man sich selbst erkannt hat. Chapeau, hat einer der vier gesagt, ob man nicht in der Stadtbücherei lesen wolle und wieviel das koste. Von Wollen kann nicht die Rede sein. Man unterdrückte Luftsprünge. Nicken beim Preis. Gespannt, ob er die Ober- oder die Untergrenze zahlt. Davon würde man gern erzählen, aber sie ist nie da, sie sitzt immer woanders, und falls sie mal da ist, wo er sitzt, erzählt sie vom Wetter von morgen, statt ihn zu loben. Er läuft Gefahr, zu verstummen, wenn er sich nicht am Riemen reißt. Er macht sich auf etwas gefasst. Da ihm dieses störrische Weib gefällt, muss er Amphibien schlucken, vielleicht hat das ja auch etwas Gutes, zu Land wie zu Wasser.
So 19.04.26 15:35 nordwest, kühl
Himbeerkuchen, Mousse au Chocolat, rechteckig, easy teilbar. Ob er eine Treuekarte habe? Bringt ja nix. Die Backverkäuferin versteht. Sie lacht. Sie ist brünnett, trägt einen kräftigen Pferdeschwanz und eine Brille. Um die vierzig, gesund, natürlich, die Achzehnjährige hinter ihm hat sich mit Schlagwimpern getarnt und implodiert schon vor Langeweile Mama kauft Coffee to go. Ums Eck fällt mir D's BMW auf, der oft bei uns in Roxel ums Eck stand. Ob seine Freundin jetzt hier wohnt? Ne herzliche Frau, hat was mit dem Bein oder Hüfte oder beides. Kaffee ist fertig. Egos bewegen sich lautlos. Sie nutzen ihr biosonares System. Ihre Flügel, die leicht Spannweiten mehrer Meter errreichen können, sind kaum größer als Kolibriflügel und liegen an. Eins schneidet den Kuchen. Von der Mousse die helle oder die dunkle Hälfte, fragt es und kriegt die helle. Steckt ein Stück dunkle Schokolade drin. Ist er der helle oder eher sie? Egos flattern mit Tasse und Teller in ihre Zimmer. Er streckt sich aufs Sofa, koppelt seine Boombox ans Handy und hört, was er gespielt hat vorhin im Keller. Der Elektrolurch hatte über das akkustische Klavier gesiegt. Da unten stören seine närrischen Improvisationen niemand. Er kann auf alle Knöpfe drücken. Soundwechsel mit Presets checken und das Modulierrad drehen, dass es eine Pracht ist. Das Schönste aber ist, dass er Akkorde und Grundtöne stehen lassen kann, was beim Klavier nur bedingt machbar ist. Der Elekrolurch hat Immer eine Orgelton, wenn ich will. An den Wänden Fotos der amilie. Sie hört zu. Seine Söhne und der jüngste Enkel sind auf Preußen. Vor Freude vibrieren seine Flügel bis in den Flaum. Er wird ein ernstes Wort mit seinem Ego reden. Es ist ja nicht dumm. Es hat nur den Stolz, wie sie ihren. Gegen neun hat er ihm kräftig in den Arsch getreten. Hat die fünfzackige Gartenkralle ins Erdereich gestoßen, hat gedreht und gestöhnt, ist auf die Knie, hat Wurzelreste geklaubt und teils fingerdicke zerschnitten, hat die schwere Erde gerochen und sich gefragt, wie riecht die? Erdig. Ja. Lleicht modrig? Weiß nicht. Waldig? Ja. Annehm. Sauer nicht, das ist gut. Er steckt voller Würmer, das ist auch gut. Der Nachbar kam vorbei. Ihr machts euch ja schön. Ja. Das ist der Plan. Ob er eine Fräse besorgen kann? Kann er. Wenn das durch ist, kann das andere Ego gestalten. Jedes kriegt, was es verdient. Dieses Platz ist zu schön, um zu vergeigen. Hier will ich auf Grund laufen.
Mo 20.04.26 nordost, kühl 22:53
Dem Abend begegnen. Der Birke, dem Feldahorn, der Buche. Der Erde, die auf die Fräse wartet, damit das das unterste nach oben kommt. Sich fragen, ob man zum Hot Jazz fährt, Trommeln. Man zieht die groben Schuhe an. An den Sohlen klebt Erdgeschichte. Der Mensch erschien im Holozän. Im Anthropozän wird Suppe gekocht. Eh die auf den Tisch kommt, will man graben. Drückt die fünfzackige Stechkralle in die schwere Erde, dreht links und rechts, Wurzelwerk, Würmer. Da muss Sand drunter, hat der Gärtner gesagt, gelber Sand wie vor der Baustelle ums Eck. Vielleicht im Dunklen hin und den Anhänger voll? Die Stechkralle wegstellen, die Grabgabel nehmen. Rein damit. Hängenbleiben. Eine daumendicke Wurzel rausziehen, guter Meter. Abschneiden. Wieder Grabgabel. Schnell atmen. Anstrengung bringt das Leben dahin, wo es hingehört. Gärtner sind glücklicher als Finnen. Und was ist das? Was kommt jetzt ans Licht? Eine Kette. Sieht aus wie Edelmetall, hat keinen Verschluss, keine Punzierung, ist schmutzig. Mit mit dem Schwamm gesäubert glänzt sie wie Gold. Gleich morgen zum Juwelier.. 24,9 Gramm.. 333er. 585er 750er. 999er. Sich wünschen, dass es Gold ist, Gold, vor vielen Jahren verloren. Man ist Goldgräber. Man hält eine Geschichte in der Hand, die man nicht kennt. Vorstellen kann man sich die Verzweiflung de Frau,, als sie feststellte, dass ihre Kette weg war. Von der Mutter geerbt, und die wieder von ihrer. Die Wohnung abgesucht. Den Garten. Alles gedreht und gewendet. 999er Gold (Feingold, 24k): ca. 3.225 € 3.250 €. 750er Gold (18k): ca. 2.350 € 2.450 €. 585er Gold (14k): ca. 1.750 € 1.900 €. 333er Gold (8k): ca. 1.000 € 1.100 €. Oh Gott oh Gott. Die Suppe ist fertig. Wo kommt plötzlich die Katze her? Die ist doch vorhin. Hattest du sie wieder reingelassen. Die Liebste streichelt sie, aber sie streichelt verkehrt, ist nicht schnell genug, jetzt blutet ihr Unterarm. Kratzer, zehn Zentimeter. Arschlochkatze, sagt sie. Überlegen, ob man Trittsteine kauft. Besorgen wär besser, sagt sie. Man kennt Baustellen, Schuttablageplätze. Am Morgen auf der Deponie Mulche gekauft und sehr schöne, sandfarbene Randsteine mitgenommen.. Die waren froh, dass sie sie los waren. Haben hübsche Rillen auf einer Seite. Zehn Steine geschätzt für das Stück vor den Rosen. Passten genau. Trittsteine lagen da keine. Also doch kaufen. Wenn nichts gekauft wird, kollabiert das System. Egal, was man davon hält, das würde stürmisch. Also morgen Kaffee und zum Juwelier. Wenn kein Gold, auch gut, immerhin hat man eine Geschichte. Im Hot Jazz spielen sie zum tausendsten Mal All of me. Jeder will ein Solo spielen, das dauert und dauert, nur der Trommler, der man selbst wäre, wäre man nicht geglieben um Gold zu graben, weigert sich. Er spielt keine Soli. Nur einmal hat er's gemacht, Jahre her, möglich ein Jahrzehnt. Man spielte Take Five, und da war ihm nichts übrig gegblieben, das gehörte dazu. Der Fünfer ist gar nicht so schwer, wenn man die Melodie mitsummt. Ben hatte ihn gelobt. Wie lange ein Lob nachhallt. Man wundert sich. Die Liebste lobt selten, und wenn, glaubt man ihr nicht. Männer muss man loben. Weiß sie das nicht? Die Mutter hat nie gelobt.
Di 21.04.26 21:24 sonniger Tag
Das ist definitiv kein Gold, sagte der Juwelier. Dachte ich gleich, sagte man, um nicht als Trottel dazustehen. Kupfer und Zink. Messing. Von wegen Gold. Man hatte schon einen Claim abgesteckt,, sich bewaffnet und wollte die Nuggets in einem Lederbeutel in der Latrine verstecken. Bleibt zu hoffen, dass sich der Goldrausch (9% je verkauftes Buch) anders verwirklicht, damit man den jadegrünen Jaguar kaufen kann, von dem man träumt. Allle, die das Buch gelesen haben, haben Dinge drüber gesagt, die man ernst nehmen konnte. Eh die Sternfräse eintrifft, wird der Boden noch einmal umgegraben. Trittplatten fand man im Keller, Restbestände Badezimmerfliesen, noch im Orginalkarton. Schöner Tag bei Oxfam. Blitzbesuch beim Tango, und beim Eintreten in den Saal das ungute Gefühl, dass man sofort wieder weg will. Tanzt einmal mit der ungelenken Apothekerin, und fährt heim. Dass man etwas geschafft hat, das andere wertschätzen, ist ein gutes Gefühl. Dass man mit Kunden bei Oxfam über deren Einkäufe spricht, auch. Dass man ein zwei Meter lange Wurzel dick wie eine 2€ Münze rund aus der Erde gekriegt hat, auch. Man ist gespannt, ob die Katze wiederkommt. Gestern wirkte sie beleidigt. Dass einem der Tango seltsam vorkommt, hat mit einem selbst zu tun, nicht mit dem Tango. Man wollte nur noch hingehen, wenn man Lust hat. Man hatte keine Lust. Damit hatte das zu tun. MIt der Blödheit, weil man nicht weiß, was man will. Weil man die dritte Person ist, und dem Ich nur mit Misstrauen begegnet. Zum Glück hat man Bücher zuhaus.
Mi 22.04.26 22:30 sonnig
Haus bei Haus, als stünden sie leer, aber Kinder sind da. Hüpfen auf Trampolin. Lachen und haben den Himmel fast in den Händen. Ihre Straße endet an einem Pfad, durch den fährt man und hält südwärts. Sieht den zunehmenden Mond. Frostwarnung! sagt die Wetterapp. Man hat Klavier gespielt, eine Stunde fast, die Amseln haben lauthals mitgesungen, man ist unterwegs. Man hat eine Verabredung. Die Frau hat zum Essen eingeladen. Ob es daran liegt, dass sie bald zur Kur fährt? Drei Wochen. Sie hat freie Wahl. Bad Pyrmont, Bad Salzufflen, Bad Rothefelde und Prerow. In Prerow war man, als die große Seuche wütete. Es war Winter. Die Fahrt war beschwerlich. Man weiß noch die Stelle kurz vor Rostock, als das Auto im Schnee plötzlich Bodenhaftung verlor und zu schwimmen begann. Ein, zwei Sekunden nur. Großer Schreck. Prerow ist schön, hat man gesagt. Ja, aber nur, wenn ich ein Einelzimmer bekomme. Man sieht die Stadt. Überwasser, Ludgeri, den Dom, die ehemalige Germania Brauerei. Man fährt freihändig wie früher, als man ein Kind war und in Overdinkel für die Mutter Butter kaufte, Tee und Kaffee. Da wollte man die ganze Strecke freihändig sein. Beim Griechen Griechen sitzt man sich gegenüber. Hat Worte für den Tag, Worte für das Geschehene, hat überflüssige und flüssige Wörter, hat einen Duden im Hirn, das die ganze Zeit feuert. Draußen geht der Tag auf und davon. Man ist satt. Die Bedienung ist jung und schön. Das man auch mal so jung war, sagt man und gestattet sich Seufzer. Nordostwärts kreuzt man zur Gasselstiege, den Horizont zartrosa hinter Baumsilhouetten. Bald abgelaufen der Tag, und was dann. Man wird auf dem Sofa sitzen. Man wird noch einen Wein trinken. Man wird denken, morgen ist auch noch ein Tag. Unterwegs hat man geschätzt, wann wieder Vollmond ist. Man lag richtig. Man staunt, wie gut man das eingeschätzt hat. Man hat viel erledigt. Man hat die schwere Erde zerkleinert. Hat umgegraben. War zweimal am Wertstoffhof, hat Grünmüll entsorgt. Man war fast den ganzen Tag an frischer Luft und hat immer noch nicht recht begriffen, dass man jetzt hier lebt, an anderem Ort. Die Katze war auch da, aber man hat sie nicht in die Wohnung gelassen. Sie ist einem um die Beine gestrichen, aber man ist hart geblieben. Man hat einen Roman veröffentlicht und wartet auf Dennis Scheck, den Terminator. Man hat etwas richtig gemacht, und das Happy End kommt, so oder so.
Sa 25.04.26 9:09 sonnig
Jemand sagt, er habe mit Respekt gestaunt über das stilistische Spektrum zwischen lakonischem Erzählen und metaphorischer Verdichtung meines Romans. Auch die Konturierung der Schausplätze habe ihm gefallen. Jemand anders sagt, Chapeau. Ein außergewöhnliches Buch. Man habe es nicht weglegen können. Man hat Lesungen in Aussicht, noch nicht fest, aber mit großer Wahrscheinlichkeit. Man hat, um nicht vor Freude den Boden unter den Füßen zu verlieren, die Arbeit im Garten. Das Umbrechen der schweren Bodens, die Mühe, ihn feinkrumig zu bekommen, das Anlegen von kleinen Beeten, das Verlegen von Randsteinen. Dann wieder sitzt man beim Araber, der eine Eisdiele betreibt, es ist Nachmittag, die Sonne scheint, Gäste plaudern, zwei zehn, zwölfjährige Mädchen vertreiben sich die Zeit auf dem Vorplatz, eines tanzt, ein anderes fährt ein wenig ungelenk auf seinen Rollschuhen herum, es ist ruhig im Dorf, seit Wochen kommt das Wetter aus Nordost und hält die Autobahn in Schach. Gleich fährt man zum Rüschhaus, man wird eine private Führung machen, ins Haus kann man nicht, es ist wegen Umbaus noch bis in den Juni geschlossen. Wie zu Corona Zeiten wird es eine Führung im Konjunktiv. Heute Abend wird man, soweit man jetzt sehen kann, auf dem Leonardo Campus Tango tanzen. Der Spickzettel für die Rüschhausführung ist geschrieben, man freut sich.
So 26.04.26 15:03 angenehm
Abends vorerst noch frei, aber vorm ersten Kaffee schon durch den Garten. Alles mit Muskeln bewegt, erst gar nicht den Kopf eingeschlaltet, das ist am Schönsten. Die schwere Arbeit hat verlangt, dass man mit dem Rauchen aufhört. Weil man's leid hat, immer das Pfeifen. Man hat das innerhalb einer Minute entschieden. Einmal hat man zehn Jahre durchgehalten, drei, dann zwei. Vierundzwanzig Stunden jetzt. Die Amseln singen.Donovan dreht sich entrückt auf dem Plattenteller. Seltsame Zeiten, wo wir entschieden, wer Superstar wird. Donovan jedenfalls nicht. Man hat "This is Dovovan" auf Telefunken seit vierzig Jahren nicht mehr gehört. Mit den Hörgeräten wird man sie nie wieder hören können, wie man sie vielleicht damals gehört hat, als man man Leute kannte, die glaubten, die Hobbits wohnten in den Anden, die Revolution machen wollten, welche, die sich versteckten in Berlin, der, der freiwillig in die DDR ging, und dann die, die abhauten. Das Anhauen war eher eine umständliche, jahrelange Suche nach zu Hause. Und jetzt, nachdem man ihn verpflanzt hat, kann er es nicht fassen. Er kann es einfach noch nicht fassen, so viel Schönheit. Hat er Im Lotto gewonnen? Er spielt nicht, er hat bis auf ein Mal in London bei Würflern, die ihm seine letzten 50 Pfund abnahmen, nie gespielt. Schicksal? Gott im Himmel. Man soll ihm mit allem kommen, damit nicht. Man soll ihm lieber eine Zigarette anbieten, damit er mit derm Rauchen wieder anfangen kann. Und fröhlich weiterleben und wissen, dass man alles kriegen kann, grässlichste Sachen, dass man das alles unter Umständen schon Jahre mit sich herumgträgt, und trotzdem nie ausbricht. Deshalb auch alles Essen und Trinken und Leben und Lieben, sonst wär das nix.
Di 28.04.26 16.41 sonnig und böig
Gestern zweimal Roxel und zurück, um den Inhalt des Hochbeetes herzubringen, sechs 50 Liter Säcke Humus plus zwei halbvolle Bollerwagen, mein SUV. Heute ein Bollerwagen und zwei Säcke, später zusätzlich zwei Bollerwagen und zwei Säcke von einem Sandhaufen am Hochzeitswäldchen. Bei all dem Hin und Her etwa 50 Kilometer zurückgelegt. Dritter Tag ohne Rauchen, ein leichtes Leerer-Magen-Gefühl, ansonsten keine dramatischen Entzugsfolgen.